Objektive Tatsache

 
In diesem Blogeintrag lest ihr ein Gedicht, dem ich keinen Titel gegeben habe –
und es wird auch niemals einen Titel tragen.
Ich gebe meinen Gedichten selten Titel,
doch dieses, das seit über 14 Jahren bei
 ist
drückt nicht nur mich aus,
sondern jeden Menschen, der in seinem Inneren
all die Widersprüche des Lebens trägt
und trotzdem darauf beharrt,
sich immer wieder auf die Seite der Menschlichkeit zu stellen.
Ich widme es jemandem, der nicht nur eine zufällige Freundin
auf den Straßen des Lebens war,
sondern ein außergewöhnliches Wesen –
geformt aus harmonischen Widersprüchen,
die nur der versteht,
der lange im Schweigen der Seele sitzt.
Mit einer Einfachheit, die der Klarheit des Wassers ähnelt,
und einer inneren Fülle,
die keinen Schmuck und keine Behauptungen braucht.
Bei Ut spürt man,
dass die Welt – trotz all ihrer Fehler –
immer noch einen kleinen Lichtstrahl bewahrt,
den niemand auslöschen kann.
Ut liebt das Leben, ja … aber auf ihre eigene Weise:
keine Liebe wie die Ekstase von Festen,
sondern wie das Schweigen der Bäume,
wenn der Wind vorbeistreift;
wie die Weisheit der Wellen,
die zum Ufer zurückkehren,
ohne zu fragen warum.
Eine lebendige Verkörperung der Menschlichkeit –
so, wie sie sein sollte.
Als wäre die Menschlichkeit verpflichtet,
an genau jener Haltestelle stehen zu bleiben,
an der Ut steht:
an der Grenze moralischer Verpflichtung,
am Punkt des Mitgefühls,
und an der Fähigkeit zu handeln,
ohne Dankbarkeit zu erwarten.
Lob ist für Ut kein Vorzug,
sondern eine Last.
Denn Ut betrachtet ihre Menschlichkeit
als Pflicht, nicht als Verdienst;
als Haltung, nicht als Heldentum.
Was sie tut,
entspringt ihrem Wesen,
lange bevor es eine Entscheidung ist.
Ut versteht, was es heißt, Mensch zu sein:
eine Geborgenheit in sich zu tragen,
Beistand zu sein,
wenn andere versagen,
und Stimme für jene, die keine haben.
Ut ist eine Freundin, die dich nicht im Stich lässt,
die dich nicht verrät,
die nicht von deinem Recht zurückweicht
und ihre Prinzipien nicht verkauft.
Sie wird an deiner Seite stehen,
selbst wenn der Preis
ihr eigener Raum, ihre Stille oder ihr Frieden ist.
Ut kämpft nicht, um zu siegen …
Ut kämpft, weil Gerechtigkeit für sie
so selbstverständlich ist
wie das Atmen.
Die Ozeane haben zwei Gesichter:
ein stürmisches,
dunkel und furchteinflößend,
und ein anderes,
das dem ewigen Frieden gleicht,
dort, wo die Hoffnung geboren wird.
Sie schenken Leben,
machen Strände fruchtbar,
tragen Schiffe, ohne sie zu versenken,
umarmen Vielfalt
wie eine schöne Bestimmung,
und waschen die blauen Flecken ab,
die die Welt auf den Herzen der Menschen hinterlässt.
Der helle Ozean ähnelt Ut in etwas Tiefem:
Beide verlangen keinen Gegenwert.
Der Ozean spendet Sauerstoff,
erschafft Regen,
kühlt die Erde …
und sagt nicht: „Seht, was ich getan habe.“
Und Ut schenkt Liebe,
Verständnis,
Halt
und Stärke …
und sagt nicht: „Seht, was ich getan habe.“
Wie eine stille Flut
kommt Ut, um Stütze zu sein,
und zieht sich zurück,
wenn deine Seele Abstand braucht.
Wie eine Welle,
die ihre Hand auf deine Schulter legt,
ohne dein Gleichgewicht zu stören.
Wie ein schwebendes Licht,
das den Weg weniger dunkel macht,
auch wenn sich die Welt nicht ändert.
Es gibt Menschen,
die unser Chaos vergrößern;
und Menschen,
die beim Fortgehen
eine Leere hinterlassen,
die sich nicht schließen lässt.
Ut gehört zu keiner dieser beiden Gruppen.
Ut gehört zu denen,
bei denen das Leben selbst innehält,
um zu atmen.
Mit Ut erinnert sich der Mensch,
dass Güte nicht theoretisch ist,
dass Mut nicht laut sein muss,
und dass Menschlichkeit kein Slogan ist,
sondern eine tägliche Praxis –
still, bewusst und wahrhaftig.
Ein seltenes Beispiel dafür,
dass die Seele stärker sein kann als die Zerstörung,
schöner als die Verzweiflung,
und wärmer als diese müde Welt.
In der Existenzphilosophie
gibt es Wesen,
die nicht durch ihre Namen definiert werden,
sondern durch die Spur,
die sie in der Struktur der Welt hinterlassen.
Ut ist eines dieser Wesen:
ein existenzielles Ereignis,
eine objektive Wahrheit
der Idee der Menschlichkeit,
verkörpert in einer schlichten Gestalt,
die keinen Beweis,
keine Erklärung
und keine Ankündigung braucht.
Ut zeigt uns,
dass der Mensch
nicht nur ein Bündel Instinkte
oder ein Sammelbecken von Kulturen ist,
sondern eine Weise,
wieder aufzustehen;
ein Blickwinkel,
aus dem er das Leben betrachtet,
und der sich
selbst und andere
mit seltener Klarheit widerspiegelt.
Sie ist weder das Gegenteil des Chaos
noch die Verlängerung der Ordnung …
sondern die Neudefinition
jenes inneren Maßstabes,
mit dem wir die Wahrheit
gegenüber uns selbst messen.
Ein bewegtes moralisches Konzept,
das geht,
als wären Prinzipien
keine Gedanken,
sondern Muskeln,
die atmen,
und ein Nerv,
der sich spannt,
wenn sich das Unrecht nähert.
Menschlichkeit ist für Ut
kein Slogan
und keine saisonale Praxis,
sondern eine Art Religion –
ohne Priester,
ohne Schrift,
und ohne das Versprechen des Paradieses.
Als wäre das Gewissen
kein Wille,
sondern ein Naturgesetz,
wie die Schwerkraft:
es wirkt lautlos,
fordert keinen Applaus,
und braucht keine Erklärung.
In einer Zeit,
in der Menschlichkeit
zu einem abgenutzten Begriff verkommen ist,
bewahrt Ut ihre ursprüngliche Bedeutung,
als würde sie sie
aus dem Exil zurückholen
und den Menschen neu schenken –
rein,
ungefälscht,
und getragen
von der Klarheit der Absicht.
Ut ist ein Hafen der Seele
in einer unsteten Welt
für einen zerbrechlichen Menschen,
den das Leben
wie Wasser durch die Finger rinnen lässt.
Ut gibt dem Dasein
eine Form,
an die man glauben kann,
und beweist durch ihre bloße Präsenz,
dass das Gute kein Relikt ist,
sondern eine innere Notwendigkeit
für das Gleichgewicht der Seele.
Sie heilt die Wunden nicht,
aber sie schenkt dir die Fähigkeit,
sie anzusehen
ohne Schmerz.
Und sie erinnert dich daran,
dass Kraft
nicht aus dem Körper kommt,
sondern aus einer Seele,
die mit Sinn erfüllt ist.
Ut ist keine Welle,
kein Abgrund –
sondern die Gleichung,
die den Ozean möglich macht:
die Fähigkeit,
zu tragen,
den Einsturz zu verhindern
und Räume zum Atmen zu schaffen.
Ut in deinem Leben zu haben
ist wie eine Hand,
die dich hält,
bevor du in dir selbst fällst.
Wie ein kurzer Satz,
der dir für einen Tag
den Glauben an das Leben zurückgibt.
Ut ist keine Geschichte.
Ut ist keine Rolle.
Ut ist kein Zufall.
Ut ist ein Beweis –
dafür,
dass der Mensch fähig bleibt,
trotz allem,
schön zu sein ohne Schmuck,
rein ohne Behauptung
und stark ohne Waffen.

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Es ist zu spät …
Warne mich nicht mehr.
Was nützt eine Warnung,
wenn alles bereits zu Ende ist?

Über den ersten Stein bin ich gestolpert,
und diese Stolperung
war ein Sturz in einen bodenlosen Brunnen.
Sag nichts …
Es ist zu spät.

Wundere dich nicht, mein Herz …
In dieser Zeit ist nichts unmöglich.
Dein Feind könnte dich verschonen,
doch die Liebsten,
die dir am nächsten stehen,
wissen, wie man sticht –
präziser als jede Klinge.

Sie spielten die Rolle des Freundes
mit solcher Perfektion,
dass mein Herz das Theaterstück glaubte.
Welche Schuld habe ich begangen?
Warum hat sich meine ganze Welt
gegen mich gewendet –
nur weil mein Herz rein war?

Was soll ich mit den Bildern tun?
Wo soll ich all diese Erinnerungen unterbringen?
Wie finde ich einen Weg,
der keine einzige Spur von uns trägt?

Wir sind Meister der Täuschung,
tragen mehrere Masken,
manchmal mehr als eine am Tag.
Wem soll ich klagen?
Wer hört überhaupt zu?

Das Schweigen ist gnädiger …
Ich werde meine Wunden
mit meinen eigenen Händen behandeln.


Schmerz … Trauer … Qual … Wunden …
Ach, Welt,
nichts erschüttert mich mehr.

In den Winternächten
brach der Wind in Zorn los,
und in einem einzigen Moment
zerbrach das Segel –
alles war verloren.

Meine Angst wuchs,
und ich blieb nachts allein zurück,
fürchtete sogar das Licht einer Kerze.
Wem soll ich klagen?
Mit wem soll ich sprechen?
Ich bin der Einzige,
der meine Stimme hört.

Wer versteht deinen Schmerz?
Vergiss deine Wunde …
Verschwende dein Leben nicht
mit Reue.

Die Welt wird nicht schöner,
und sie lässt den Verwundeten nicht los.
Tausend Hände können heilen,
doch ich stolperte über den ersten Stein –
und das Stolpern wurde zu einem Brunnen.
So ging alles verloren,
und ich ergab mich
dem schlimmsten Schicksal.

Sei nicht traurig,
spüre keinen Schmerz,
bereue keinen, der dich verrät.
Jede Träne, die von dir fällt,
ist wertvoller
als sie alle zusammen.

Ich stehe trotz der Winde,
trotzig trotz der Wunden.
Ich schreie der Ungerechtigkeit ins Gesicht,
ich schreie der Verräterei entgegen –
und ich wecke das Gewissen.

Schrei, o Gewissen,
schreit, ihr Kehlen!
Schrei dem Heuchler ins Gesicht,
dem Betrüger,
dem Diktator!
Schrei,
bis die ganze Welt dich hört.



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