Bitte behandelt uns wie Hunde
Es ist sieben Uhr morgens.
Die deutschen Parks erwachen mit einer Ruhe, die fast wie ein sauberes Gewissen wirkt.
Das Gras ist noch feucht vom Tau der Nacht, die Luft kühl… aber nicht so kühl wie die Bürokratie.
Ich sitze auf einer Holzbank und beobachte eine Reihe vorbildlicher Bürger, die mit ihren Hunden spazieren gehen.
Ein kleiner schwarzer Hund rennt hinter einem Ball her.
Ein großer Hund steht mit einer Selbstverständlichkeit da, als gehöre ihm der ganze Park.
Ein dritter trägt einen kleinen Wintermantel… einen Mantel.
Ich schaue mir diese Szene an und denke:
Vielleicht habe ich im Asylantrag etwas falsch ausgefüllt.
Vielleicht hätte ich beim Feld Art schreiben sollen:
Hund.
Denn ein Hund hat in diesem Land Dinge, die ein Flüchtling oft nicht hat.
Der Hund besitzt offizielle Papiere.
Einen Heimtierpass.
Dokumentierte Impfungen.
Eine respektable medizinische Akte.
Er darf mit Würde durch europäische Grenzen reisen,
während der Mensch, der vor Krieg geflohen ist, jahrelang auf ein Papier wartet, auf dem einfach steht:
„Ihr Fall wird noch geprüft.“
Ein Hund kann manchmal jemanden beißen,
doch der Staat denkt nicht sofort daran, ihn in ein Kriegsgebiet abzuschieben.
Ein Flüchtling dagegen…
kann ein ganzes Leben lang niemanden beißen,
und trotzdem bleibt seine Akte irgendwo auf einem kalten Schreibtisch liegen.
Seien wir für einen Moment ehrlich.
In Deutschland gibt es keine streunenden Hunde.
Der Staat hat dieses Problem ernst genommen.
Es gibt Gesetze, Organisationen, Tierärzte, Tierheime.
Ein verlorener Hund wird gesucht.
Ein Flüchtling dagegen
kann jahrelang in einem Camp verschwinden, ohne dass jemand nach ihm sucht.
Ein kleines Zimmer.
Mehrere Metallbetten.
Eine Gemeinschaftsküche.
Und viel Zeit.
Zeit, die sich anfühlt wie ein langer Flur ohne Türen.
Manchmal glaube ich, das Wort Integration ist hier wie die Gummibälle, die Menschen ihren Hunden im Park zuwerfen.
Alle reden darüber…
aber kaum jemand wirft sie wirklich.
Der Hund in Deutschland hat sogar medizinische Versorgung.
Wenn er krank wird, geht sein Besitzer sofort zum Tierarzt.
Untersuchungen. Röntgen. Medikamente.
Der Hund muss seine Geschichte nicht erklären.
Niemand fragt ihn:
„Haben Sie eine gültige Aufenthaltserlaubnis?“
In den Camps funktioniert das Leben anders.
Zeit wird dort nicht in Stunden gemessen.
Sondern in gelben Briefen von Behörden.
Jeder Brief enthält zwei Möglichkeiten:
Entweder du bleibst weiter im großen Wartesaal namens Asylverfahren.
Oder du erfährst plötzlich,
dass die Welt, vor der du geflohen bist…
immer noch auf dich wartet.
Aber kehren wir zu den Hunden zurück.
Die Hunde hier sind voll integriert.
Sie kennen die Parks.
Sie kennen die Straßen.
Sie kennen ihre Besitzer.
Sie wissen, wo sie schlafen.
Einige von ihnen haben sogar eigene Instagram-Konten.
Der Flüchtling dagegen
lernt zuerst zu warten.
Dann lernt er, jeden Tag seine eigene Existenz zu erklären.
Und irgendwann lernt er, dass Integration manchmal einfach bedeutet:
sich an die Stille zu gewöhnen.
Vor ein paar Tagen ging ich wieder durch denselben Park.
Ein älterer Mann sprach liebevoll mit seinem Hund.
Er sagte:
„Komm her, mein Junge.“
Ich dachte kurz nach…
Wie oft habe ich diesen Satz jemals zu einem Flüchtling sagen hören?
Vielleicht verstehen wir das alles falsch.
Vielleicht führt der Weg zur Integration gar nicht über Sprachkurse.
Nicht über Kulturseminare.
Vielleicht ist die Lösung viel einfacher.
Vielleicht sollten wir den Behörden einen neuen Antrag schicken.
Einen sehr einfachen Antrag.
Wir bitten um eine kleine Änderung unserer Kategorie.
Wir verlangen keine Privilegien.
Keine Wunder.
Nur eine Sache.
Bitte…
behandelt uns wie Hunde.
Vielleicht bekommen wir dann endlich etwas sehr Kleines.
Etwas ganz Einfaches.
Ein Leben.
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