Das Schachbrett

 

Meine existentielle Betrachtung ist politisch

in Bezug auf die Rolle des Menschen innerhalb der Machtstrukturen.

Dass wir uns ständig im Kreis drehen –

zwischen Opfer und Täter, Freiheit und Unterwerfung –

nur um „vielleicht“ zu entdecken,

dass Völker zugleich Mittäter und Opfer

auf der Bühne der Geschichte sind.


Das „Wir“ ist hier jenes kollektive Selbst,

weder unschuldig noch frei.

Dieses „Wir“ steht für jene Völker,

die sich täuschen lassen,

die Illusionen von Freiheit kaufen,

und zulassen, dass man sie im Namen der Religion

oder des Vaterlandes

oder des Kapitals ausnutzt.

Hier muss man an Hannah Arendts Philosophie erinnern:

Die „Banalität des Bösen“ liegt nicht nur in den Führern,

sondern auch im blinden Gehorsam der Massen.


Das Schachbrett ist das unvermeidliche Spiel der Macht:

Die Bauern werden immer geopfert,

während die Könige geschützt bleiben.

Hier erkennen wir Hegels Dialektik von Herr und Knecht:

Der Knecht existiert, weil der Herr befiehlt,

und der Herr existiert, weil der Knecht gehorcht.

Doch im Gegensatz zu Hegel sind wir gefangen –

wir haben keinen Weg zur Freiheit,

sondern ein endloses, sich wiederholendes Spiel.

Etwas, das fühlt, als würde man jeden Tag aufwachen,

um die exakte Kopie des gestrigen Tages zu wiederholen.


Sartre sagt: „Wir sind zur Freiheit verurteilt“,

doch diese Freiheit wird geraubt und verzerrt

durch politische und ökonomische Systeme,

bis wir halb frei und halb gefangen sind.

Das absurde Warten wiederum

spiegelt Camus’ Philosophie wider:

Das Leben ist ein sinnloses Schauspiel,

das sich ohne Zweck wiederholt.


Die Frage bleibt:

Wie wird der Mensch in Zeiten von Bürokratie und globaler Politik

seiner Menschlichkeit beraubt,

reduziert auf eine Zahl, eine Akte,

oder eine „Schachfigur“?

Hier erinnert man sich an Foucaults Idee der „Biopolitik“ –

das Leben wird verwaltet,

und in Statistiken verwandelt.


Warten wir auf ein Ereignis jenseits der Geschichte –

einen neuen Planeten,

eine Flut,

oder ein Aussterben,

das einer Menschheit angemessen wäre,

die müde geworden ist von ihrer eigenen Existenz?

Das berührt Heideggers „Sein zum Tode“:

Die einzige Gewissheit ist das Ende,

ist das Nichts.


Am Ende bleibt das „Schachbrett“

ein Symbol für die politische und existenzielle Absurdität des Menschen:

Das Spiel wiederholt sich,

die Regeln bleiben gleich,

und dennoch spielen alle weiter.

Die Frage ist:

Gibt es einen Ausweg aus dieser Struktur,

oder ist der Mensch dazu verurteilt,

für immer zwischen Opfer und Täter zu schwanken?

Mit anderen Worten:

Wir sind nicht nur Opfer,

sondern auch Teilhaber des Machtspiels.



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Das Schachbrett


Wir sind nicht unschuldig…

Wir – die dem Henker applaudierten,

die den Tyrannen Treue schworen aus Angst,

die zu Hause saßen, unsere Atemzüge zählten

und unsere Kinder als Brennstoff für die Straßen zurückließen.


Wir – die unsere Stimmen für ein Stück Brot verkauften,

die die Illusion von Freiheit kauften

mit Wahlzetteln, befleckt mit Blut.

Wir – die in den Tempeln des Dollars beteten

und vor der Autorität der Vereinten Nationen knieten,

als wäre sie ein neuer, unfehlbarer Gott.


Wir – die Völker, die sich führen ließen wie Schafe,

einmal im Namen der Religion,

einmal im Namen der Nation,

einmal im Namen des freien Marktes…


Wir sind Opfer.

Wir sind Mittäter derselben Tat.

Wir – die Zermalmten…

Wir – die Waisen der Menschlichkeit,

die Toten,

die ihrer eigenen Beerdigung beiwohnen.

Wir – Opfer und Täter zugleich.

Die eine Hälfte wird bombardiert,

die andere Hälfte verurteilt das Bombardement,

und der Rest stimmt über eine Resolution ab,

die nur am Veto scheitert.


Wir sind Staub auf alten Karten,

Geister, die durch Nachrichtensendungen wandern,

Leichen, die atmen,

damit die Statistiken weiterleben.


Wir sind aufgeschobene Träume in den Schubladen der Nationen,

gelbe Akten mit rotem Stempel.

Wir sind Augen, die nach einem Himmel suchen,

doch der Himmel wurde zu einer riesigen Leinwand,

auf der die Reden der Führer laufen

und hinter der die Sonne verschwindet.


Wir sind nicht nur Opfer…

Wir sind Rohstoff einer großen Industrie,

Treibstoff für Kriege,

deren Landkarten wir nicht kennen,

Statisten in einem absurden Theaterstück

mit dem Titel: Freiheit.


Wir warten nur…

und wissen nicht, worauf.

Vielleicht auf einen anderen Planeten,

auf eine neue Sintflut,

auf ein Aussterben,

das einer müden Spezies würdig wäre.

Wir sind weder freie Völker noch Gefangene –

wir sind wie Schachfiguren:

Die Könige sterben nie,

nur die Bauern werden zermalmt,

und dann wird das Brett neu geordnet,

um ein weiteres Spiel

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