ADT 3/Eine Frau aus Feuerstein
Selbst in den heftigsten Anfällen von Wahn könnte sich kein Vernünftiger vorstellen, vor einer Frau zu stehen, deren Herz sich nicht erweicht und die unfähig bleibt, auf den Strom seiner Gefühle zu reagieren.
Der Held befindet sich auf einer inneren Bühne, auf der er zunächst sich selbst gegenübertritt, bevor er dieser Frau begegnet – dort, wo die Gefühle in einem Kampf zwischen der Glut der Leidenschaft und der Kälte der Gleichgültigkeit erscheinen.
Er ist der Protagonist dieses Dramas, und er muss dieses Empfinden der Enttäuschung vermitteln. Doch wie soll er diese Empfindungen übermitteln, wenn die Worte versteinern und ihre Gebärfähigkeit verlieren – während er einem steinernen Schweigen gegenübersteht?
Dieses ständige Bekenntnis zwischen Leben und Tod symbolisiert die Liebe nicht bloß als ein Gefühl, sondern als ein ganzes Leben, das vor dem Schweigen der Anderen zermahlen wird.
Wie kann ein Herz starr bleiben – ohne jedes Zittern?
Eine berechtigte Frage, wenn man sich der absoluten Gleichgültigkeit gegenüber entmutigt fühlt.
Man gießt sich selbst aufs Papier, die Tinte fließt aus einem heraus, und am Ende steht man einem unendlichen Nichts gegenüber. Einer unbegründeten Einsamkeit – und ich meine hier nicht jene räumliche Einsamkeit, die vielleicht freiwillig gewählt wird, sondern eine emotionale Isolation, die aus dem Mangel an Resonanz erwächst.
Und trotz aller Enttäuschung kämpft man ehrenhaft – oder vielleicht nicht im wörtlichen Sinn, sondern in einem Akt, der eher Widerstand gleicht: dem Beharren, das Schweigen in Leben und die Starre in Puls zu verwandeln. Doch dieser Widerstand bleibt nichts anderes als das Schreiben selbst – es ist zum Ersatz für die Beziehung geworden, oder vielleicht zur einzigen möglichen Beziehung mit dieser Frau.
Dass man innerlich seit dem ersten Blick zerbricht, während sie selbst nach tausend Tropfen nicht einmal einen Riss zeigt, als wäre sie ein Fels, der unberührt bleibt – das ist, was ich ein ewiges Bluten nenne.
Man schreit verzweifelt der „menschlichen Gleichgültigkeit“ entgegen.
Man leidet an der Kälte, der Erstarrung, der Zurückweisung – während man nach Resonanz sucht, nach einem Echo, nach Wärme. Und so verirrt man sich in einem Labyrinth existenzieller Fragen:
Reicht die Liebe, wenn sie kein Echo findet?
Ist das Schreiben Erlösung – oder Fluch?
Und können Gefühle ein Herz zum Leben erwecken, das nicht leben will?
So bleibt man verloren im Kreislauf der Gegensätze: (Puls und Schweigen), (Zerbrechen und Beharren) – zwischen einem Leben, das aus der Feder des Dichters hervorbricht, und einem Tod, der sich im Herzen einer Frau aus Feuerstein verkörpert.
Eine Frau aus Feuerstein
Ich schrieb dich,
bis die Tinte versteinert war
und der Schoß der Sprache vertrocknete,
keine Bedeutung mehr gebar –
und ich selbst nicht mehr glaubte,
dass Dichtung dich überzeugen könne.
Kann es sein,
dass ein Fels sich bewegt,
ehe dein Herz es tut?
Der Stein sehnte sich, meine Dame –
und du bist noch immer
die härteste Klippe, die ich je traf.
Ein Fels,
vom Regen benetzt,
doch niemals zerbricht.
Ich spreche zu dir,
doch meine Stimme prallt an dir ab,
kehrt traurig zu mir zurück.
Ich rufe dich,
doch mein Ruf hallt wider
wie Echo in einer tiefen Schlucht.
Er kehrt enttäuscht zurück,
und ich tröste ihn,
lege die Hand auf seine Schulter
und flüstere:
Verzeih,
ich schickte dich dorthin,
wo keine Wärme wohnt.
---
All diese Gedichte –
und doch bleibt dein Gesicht unverändert:
still, klar, ohne jede Regung,
als würdest du nicht leben,
sondern nur das Leben spielen.
Hast du gelesen?
Hat etwas in dir gezuckt,
wie ein Lid, das gegen den Schlaf kämpft?
Hast du gespürt,
dass Gedichte keine Briefe sind,
sondern Leichname von Gefühlen,
auf deiner Schwelle niedergelegt,
über die du hinwegschreitest –
ohne dass sich in dir etwas bewegt?
Vielleicht liest du wie eine Forscherin,
die im Labor ein Gedicht
unter das Mikroskop legt
und sein Gewicht misst.
Wie konntest du nicht beben?
Wie blieb dein Herz erloschen,
während die Poesie
in deiner Atemnähe brannte?
---
Du wirst meine Gedichte vermissen –
und ich werde weiter schreiben.
Du wirst die Glut der Worte vermissen,
die versuchten, dich zu bewegen – und scheiterten.
Ich werde weiter schreiben,
bis der Stein ein Herz wird,
der Leser ein Liebender,
und der Dichter … Vergessen.
---
Ist dein Herz eine marmorne Tafel,
auf die man schreibt
und wieder löscht,
ohne Spur, ohne Kratzer?
Ich weiß, Schweigen heißt nicht Ablehnung,
doch dein Schweigen ist tiefer
als ein römischer Brunnen,
härter als die Berliner Mauer.
Du –
der Stein seufzte,
als der Regen weinte.
Doch du,
du seufztest nicht,
hast nicht gezuckt,
nicht gesagt: Warte.
Jedes Mal, wenn ich schreibe,
fühle ich,
wie das Gedicht aus meiner Hand fällt,
wie ein kleiner Vogel,
der zu deinem Fenster fliegt,
gegen die Scheibe stößt –
und schweigend stirbt.
---
Kann es sein,
dass Dichtung,
die Herzen über Jahrzehnte erschütterte,
es nicht vermochte,
ein einziges Haar an dir zu bewegen?
Kann es sein,
dass all der Duft,
den ich in den Versen säte,
keine Erinnerung in dir weckte,
kein einziges Härchen der Sehnsucht?
Musste ich sterben,
damit du dein Haupt neigst –
zum Respekt?
Musste ich Stein werden,
um einen menschlichen Blick von dir zu verdienen?
Liebe ich dich?
Vielleicht.
Brauche ich dich?
Vielleicht noch mehr.
Doch was ich wirklich weiß:
Ich schrieb dich wie eine Offenbarung,
und du lasest mich
wie eine Anzeige in der Zeitung.
Als der Himmel eines Abends weinte,
sagte ich:
Sieh – der Stein hat sich gesehnt.
Doch du,
bist noch immer härter als Felsen
und ferner als der Regen.
*****
Hast du gelesen?
Nein … ich glaube nicht.
Und wenn doch –
hast du gefühlt?
Und wenn du fühltest –
warum hörte ich kein Zittern
in einem einzigen „Danke“?
Ich brauche kein Danke.
Ich brauche ein Seufzen,
das verrät, was deine Augen verbergen.
Kannst du so still sein?
Hat all diese Ehrlichkeit in meinen Worten
dich nicht verwirrt?
Nichts in dir erschüttert?
Ich schreibe …
schreibe, als würde ich mein Blut
aus den Adern aufs Papier gießen.
Und du …
liest, als wäre es
ein flüchtiger Wetterbericht.
Bin ich verrückt?
Oder wiegt mein Schweigen in dir
nicht so viel
wie der Lärm anderer?
Wo ist dein Herz?
Oder klopfe ich an eine Tür,
vom Rost zerfressen?
Der Stein bricht
nach tausend Tropfen.
Und du?
Bist noch ungebrochen.
Und ich –
seit der ersten Zeile,
die ich für dich schrieb,
beginne ich von innen zu zerfallen.
Vielleicht …
vielleicht warst du
eine Frage ohne Antwort,
eine Prüfung ohne Ergebnis.
---
Jeden Morgen überrede ich mein Herz,
dir ein neues Gedicht zu schreiben.
Vielleicht …
vielleicht wirst du eines Tages lesen,
wenn der Stein müde wird
von der Sehnsucht –
und du … endlich
dich sehnst.
Ein einziges Mal.
Hamburg ,2025
Bis zu einem neuen Delirium
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