ADT 6/ Tagträumereien


Diese Anwandlung des Deliriums entstand aus einem Gefühlszustand, der auf der Vermischung von Realität und Phantasie beruht. Dabei entstehen innere Welten voller Bewegung und Verschmelzung. Dieser Zustand wirkt wie eine Brücke zwischen Seele und Gefühl und offenbart eine reiche emotionale Erfahrung, die zwischen Angst, Verlangen und Erwartung einerseits sowie Liebe, Existenz und spirituellem Eintauchen andererseits schwankt.


Wenn diese Spiritualität zur Nahrung der Seele wird, erscheint die Liebe wie eine emotionale Notwendigkeit, die nicht weniger wichtig ist als körperliche Nahrung. Dies spiegelt die Durchdringung der Liebe in alle Aspekte unseres Daseins wider. Das emotionale Chaos gleicht einer Explosion von Gefühlen, die aus Liebe und Verbundenheit hervorgeht – ein Zustand, in dem sich Lust mit Verwirrung und Materielles mit Symbolischem vermischt.


Die (stille) emotionale Kommunikation, in der Gefühle in kleinen Gesten und Zeichen lesbar werden, verdeutlicht die Kraft der psychischen Harmonie und der Intuition zwischen zwei Menschen. Doch bleibt der innere Konflikt des Individuums mit der Realität bestehen – die Frage, wie Liebe und Phantasie den alltäglichen Trott durchbrechen können.


In Wahrheit ist Liebe ein komplexer Seelenzustand, in dem sich Liebe mit Phantasie verbindet und zu einer sowohl körperlichen als auch psychischen Erfahrung wird. Liebe ist hier nicht bloß ein Gefühl, sondern ein fortwährender Akt, der eine genaue Beobachtung der psychischen und physischen Details des anderen erfordert – wie feine Bewegungen, Atmung, Gesten. Dies geschieht nicht allein aus dem Wunsch nach Nähe, sondern ebenso aus der Angst vor Verlust und Zurückweisung.


Sehnsucht und Phantasie sind Mittel, der Starre und den Begrenzungen der Realität zu entkommen. Sie machen aus emotionalem und geistigem Chaos eine Kraftquelle, in der tiefe Gefühle in Bewegung und Kreativität verwandelt werden. Liebe wird so zu einer Art nuklearer Energie, die der Körper erzeugt, während der Geist mit aller Kraft arbeitet, um die Seele zu bewahren. Liebe ist eine rein existentielle Erfahrung – und kein oberflächliches romantisches Gefühl.


Phantasie bedeutet hier auch, daran zu glauben, dass sich ein gemeinsamer Raum der tiefen emotionalen Kommunikation erschaffen lässt – auch jenseits der Liebe. Es ist zugleich, als würde man sich vorstellen, dass eine Prophezeiung (wie in Enrique Iglesias’ Lied Hero) Wirklichkeit wird. Darin offenbart sich die Schnittstelle zu Freuds Theorie des Konflikts zwischen Es (Triebe und Wünsche), Ich (Bewusstsein und Kontrolle) und Über-Ich (innere Ideale): Die Liebe wird zu einer Welt des Chaos, die dem entspricht, was Freud als „Befriedigung durch imaginäre Repräsentation“ bezeichnete.


Oder aber die Liebe erscheint als Kampf, der an Hegels Theorie der Anerkennung erinnert: Wahre Beziehungen erfordern die Konfrontation mit dem Anderen und die Suche nach vollständiger Anerkennung zwischen Selbst und Anderem – nicht ein Verharren in Tagträumen.


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Tagträumereien

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Täglich überfallen mich Tagträume,

sie sind keine Träume der Nacht,

sondern eher ein kleiner Verrat an der Realität,

oder eine geheime Sitzung mit dem Unmöglichen.


Ich stelle mir vor, wir sind zusammen…

leben in einer Stadt ohne Namen,

verstecken uns vor der Zeit in einer Wohnung ohne Türen,

alle Wände sind Fenster,

und die ganze Zeit gehört uns.


Du lachst,

ich erfinde einen neuen Tag im Kalender,

du schweigst,

ich schreibe ein Gedicht, das nur ich verstehe.


Wir gehen auf dem Wasser wie die Propheten,

kochen Poesie statt Brot,

pflanzen auf den Balkonen ein Chaos

aus Küssen, Büchern und schmutzigen Tassen.


In diesem Traum

gibt es keine Pässe, keine Flaggen,

keine Sprachunterschiede,

du verstehst meinen Schmerz an der Zusammenziehung meiner Augenbrauen,

ich verstehe deine Verwirrung am langsamen Atemzug.


Aber ich wache auf,

immer wache ich auf.

Finde die Realität

wie ein Versicherungsangestellter:

fragt nach Papieren, die ich nicht habe,

nach Gründen, die ich nicht erklären kann,

nach einer Liebe,

die nie war…

aber mich erschöpft wie ein ganzes Leben.


Ich will eine Frau lieben, die nicht kommt.

Eine Frau, die in meiner Erwartung lebt,

ihren Kaffee in meinem Mund trinkt,

und mit meiner Stimme lacht, wenn ich ersticke.


Sie, über die ich nur weiß, dass sie…

immer die Heldin meiner Träume war

und in meiner Brust schläft wie ein Messer in der Wunde.


Meine Tagträume sind

Maskeraden einer unmöglichen Liebe.

Ich stelle mir vor, sie trägt mein Herz als Reisetasche,

ordnet es, als würde sie darin wohnen,

dann lässt sie es in der Hotellobby liegen

und leugnet, dass sie jemals hier war!


Ich versuche, sie bedingungslos zu lieben,

doch sie ist wie eine Briefmarke:

Sie klebt, wann immer sie mich abschieben will.

Alle meine Briefe an sie

kommen zurück mit dem Stempel:

„Adresse unbekannt. Versuch es in einem anderen Leben.“


Ich bin ein Mann ohne geordnete Gefühle,

liebe sie im Chaos,

mit Schlaflosigkeit,

mit totaler Besetzung aller Träume in meinem Kopf.


Ich sehe, wie sie verlegen wird, wenn ich ihr schreibe,

ärgere mich über Gedichte, die sie entblößen,

und sie antwortet mir mit ihrem Schweigen





Hamburg 2025


Bis zu einem neuen Delirium





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